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Glück ist nicht eine Station wo man ankommt, sondern eine Art zu reisen!

 

Sie laufen durch einen Park, die Sonne scheint. Und leuchtet die Blätter an dem riesigen Baum vor Ihnen so aus, dass sie in reinstem Vincent-van-Gogh-Gelb strahlen. Ansteckend! Sie müssen lächeln. Das sieht der Mann, der gerade an Ihnen vorrübergeht. Ansteckend! Er lächelt zurück und wünscht Ihnen einen schönen Tag. Stop! Das Ganze noch mal in Zeitlupe. Augen schließen. Einfach nur genießen. Denn da war er, so ein kleiner Glücksmoment. Auch "Bliss" genannt. Einfach hergeschenkt.

Glück ist Arbeit, heißt es immer wieder. Oder; man muss um sein Glück kämpfen. Diese Aufforderungen setzen Glück als ein bewusstes Ziel voraus, etwas das wir unter Einsatz aller unserer Kräfte erreichen wollen. Im Roman müssten die zwei Protagonisten, die da im Park aneinander vorbeiglaufen sind, also jetzt richtig loslegen, um einander zu kriegen. Aber das ist eine andere Geschichte. Denn hier geht es um das mühelose Glück. Die kleine Schwester des großen, glücklichen Gesamtlebensplans sozusagen. Und die ist gut befreundet mit dem Zufall. Und mit der Leichtigkeit. Das Wort "Glück" entwickelte sich nämlich ursprünglich aus dem mittelhochdeutschen "Gelücke". Das stammt vom Verb "gelingen", abgeleitet von "leicht". Also bedeutet Glück eigentlich "das leicht Erreichte". Leicht! Einfach so! Herrlich! Im Englischen gibt es dafür sogar extra ein Wort "lucky" - im Gegensatz zu "happy".

In die Märchenwelt übersetzt, wäre das richtige Bliss-Personal eine proaktive Fee, die, ohne lang nach unseren drei Wünschen  zu fragen, kurzfristig drauflos zaubern würde. Aber das Ganze funktioniert auch ohne Zauberei. Wenn wir einfach nur die Augen offen halten. Manchmal ein bisschen langsamer gehen. Und den allumfassenden Dauer-Multitasking-Anspruch von uns kurz vergessen. (Hätten wir im Park beim Spazierengehen ein wichtiges Telefonat erledigt, wäre uns der Baum wahrscheinlich gar nicht aufgefallen....). Positive selektive Wahrnehmung tut einfach wohl. Nur wenige Minuten komplett sinnfrei und zielorientierungslos zu verbringen ist wie ein kleiner Urlaub. Und Abwechslung macht anerkanntermaßen glücklich. Und dann tauchen  sie auf, die Bliss-Momente, ohne dass wir sie herbeigesehnt hätten. Es geht nicht darum, wie viele uns das Schicksal zuschustert. Nein, diese Momente liegen förmlich herum. An uns ist es, ihnen ein Plätzchen einzuräumen, damit sie sich breitmachen und uns ausfüllen können. "Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten". Dabei gehören die beiden ganz fest zusammen. Und darum ist es jetzt Zeit für einen kurzen Spaziergang!
 

Deshalb halten Sie inne und erinnern Sie sich daran; Glück achtet nicht auf Zeit!